Es gibt einen Punkt im Leben, an dem man spürt:
So wie bisher geht es innerlich nicht mehr weiter.
Nicht, weil alles falsch war
sondern weil etwas Wesentliches fehlt.
Ich habe lange aus einem Ich heraus gelebt, das funktionieren musste.
Leisten, durchhalten, erklären, stark sein.
Dieses Ich war kein Fehler.
Es war ein Schutz.
Aber irgendwann begann es, mich von mir selbst zu trennen.

Wenn Glauben tiefer ruft
Mein Glaube an Gott war immer da.
Doch auch mein Glaube war lange vom Ich-Konstrukt geprägt.
Ich glaubte, Gott erwartet Stärke, Haltung, Durchhalten.
Das Leben – und Gott selbst – führten mich jedoch nicht weiter in die Anstrengung,
sondern in die Ehrlichkeit.
Nicht laute Überzeugungen haben mich verändert,
sondern stille Momente, in denen nichts mehr erklärt werden musste.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
(2. Korinther 12,9)
Dieser Satz war kein Trost.
Er war eine Einladung, loszulassen.

Lebenserfahrung statt Rollenidentität
Man kann alles richtig machen
und sich dennoch innerlich verlieren.
Man kann Verantwortung tragen
und dabei den eigenen Kern übergehen.
Das Leben hat mir gezeigt:
Gott begegnet nicht der Rolle.
Er begegnet dem Menschen.
Auch Jesus musste nichts beweisen.
Er zog sich zurück, schwieg, ließ los –
und blieb vollkommen präsent.
Das Ich-Konstrukt geht
Das Ich-Konstrukt geht nicht durch Kampf.
Es geht durch Erkenntnis.
Durch den inneren Satz:
Ich darf sein, ohne mich rechtfertigen zu müssen.
Wenn das Ich-Konstrukt geht, entsteht kein Leere.
Es entsteht Präsenz.
Ein ruhiges, wahrhaftiges Ich.
Der Glaube wird einfacher.
Still. Tragend. Echt.
Nicht mehr: Ich muss genügen.
Sondern: Ich bin getragen.
Was bleibt
Was bleibt, ist kein perfekter Mensch.
Sondern ein wacher.
Ein Mensch, der nicht alles erklären muss nicht alles kontrolliert u. nicht alles weiß
aber da ist.
Das Ich-Konstrukt geht nicht aus Schwäche.
Sondern aus Reife und was bleibt.
ist nicht weniger sondern wirklich.
Die Seite ist kein Konzept sie ist ein Weg
Diese Seite ist kein Konzept.
Sie ist ein Weg.
Wenn du dich darin wiederfindest,
darfst du bleiben.
Ohne Rolle.
Ohne Maske.


< Ich Konstrukt >
Entstehung und Formung
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Biologische Grundlagen (Temperament, neuronale Strukturen).
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Frühe Bindungserfahrungen prägen Selbstwert und Vertrauensbasis.
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Soziale Interaktion: Spiegelung, Feedback, Rollenvorbilder.
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Kultur/Ideologie: beeinflussen, welche Selbstbilder möglich oder erwünscht sind.
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Reflexive Prozesse: Selbstbeobachtung, Narration, Bildungsprozesse.
Störungen und Herausforderungen
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Fragmentierung (z. B. bei Traumafolgen, Dissoziation): fehlende Kohärenz im Selbstbild.
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Narzisstische oder depressive Formen: verzerrte Selbstbewertung.
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Identitätskrisen (Übergänge, Lebensumbrüche): Unsicherheit über Rollen und Werte.
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Soziale Medien/Rollenvielfalt: Beschleunigte Identitätsarbeit, Vergleichsdruck, Performanz Zwang.
Praktische Implikationen & Förderung eines stabilen Ichs
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Selbstreflexion: Tagebuch, Therapie, Gespräche zur Klärung von Werten und Zielen.
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Kohärente Lebensnarrative entwickeln: Erfahrungen einordnen und Sinn stiften.
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Realistische Selbstbewertung: Stärken und Schwächen anerkennen, Lernen als Prozess.
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Soziale Verankerung: verlässliche Beziehungen und Gemeinschaften stärken Selbstwert.
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Flexibilität kultivieren: Identität als anpassungsfähiges, nicht starres Konstrukt begreifen.